Step by Step: Lackieranleitung von Kunststoffteilen

    • Step by Step: Lackieranleitung von Kunststoffteilen

      Hallo Airbrushgemeinde,

      dieser SBS ist für Lackieren von Kunststoffteilen gemacht.

      Eins noch vorweg, bin kein Lackierer und mache dies nur als Hobby!

      Anhand eines Innenraumteils, sprich Handbremsabdeckung meines damaligen Autos wird dies als Step by Step dargestellt.
      Lackiert habe ich in Z147 und Z282. (Starsilber II und Polarmeerblau)

      Als erstes zu den Materialien:

      Gewöhnlich lackiert man mit einer Lackierpistole. Ich benutze hierbei für Kleinteile die Devilbiss SRI TS1 mit 1,2er Düse. Auch ist es möglich mit der Airbrushpistole solche „kleinen“ Teile zu realisieren. Dafür ist aber eine Düse von mindestens 1,0 nötig. Mein Arbeitstier hierfür ist die Revell Master Class Vario mit 1,1er Düse.Beim Verarbeiten von Basislacken & Klarlacken wird meist eine Düse von 1,2 -1,4 benutzt. Bei Grundierungen & Füller ist (wegen der zähigen Materialien) eine 1,7 vorgesehen.
      Um das ganze etwas zu kompensieren können diese Stoffe einfach etwas mehr verdünnt werden. Was aber zur Folgerung schließt das man dadurch mehrer dünne Schichten anlegen muß.

      Auch die Auswahl auf einen geeigneten Kompressor muß gut getroffen werden. Dieser sollte mindestens nen 50 Liter Tank haben und eine Abgabeleistung von min. 250-300/Lmin.


      Es versteht sich natürlich von selbst, das nach jedem Arbeitwechsel, sprich Materialwechsel die Pistole gründlich zu reinigen ist. Am besten mit Nitro-Universalverdünnung.

      Materialien:




      Abkürzung: KS (Kunststoff)

      1. Porenwischfüller
      2. KS-Reiniger
      3. Silikonentferner
      4. KS-Grundierung
      5. KS-Füller
      6. KS-Härter
      7. Basislack
      8. Klarlack
      9. Härter für Klarlack
      10. Verdünner für Klarlack
      11. Weichmacher/Elastifizierer
      12. Naßschleifpapier 600/800/1000er ; 400er trocken
      13. Meßbecher
      14. Schleifpad fein
      15. Microfasertuch oder Küchenrolle
      16. Staubbindetuch
      17. Microfeinsieb
      18. 3M Schleifpaste
      19. 3M Maschinenhochglanzpolitur
      20. Lackierpistole / Airbrushpsitole
      21. Lackiermaske


      Um nicht ins Fettnäpfchen zu treten solltet ihr immer den gleichen Hersteller wählen, da es sonst bei einer Vermischung mit einem anderen Hersteller es zu unschönen Kontakten kommen kann, sprich die Verträglichkeit.

      Der Hersteller ist jedem selbst überlassen, genauso wie bei den Airbrushfarbenherstellern. Im Lackierbereich sind dies Standox, Spieß & Hecker, Glasurit, Mipa, MP usw.



      Nun zur Vorbereitung:

      Zuerst wird das Kunststoffteil, sprich die Blende, mit KS-Reiniger gesäubert.
      Danach wird leicht mit 400er trocken oder 600er naß leicht aufgerauht und wieder gesäubert.





      Der Porenwischfüller, wie der Name schon sagt, füllt die Poren im Kunststoff auf und man hat somit seine erste Ebene.
      Dieser wird mit Hilfe des Microfasertuchs oder Küchenrolle aufgetragen.
      Hier mal ein Bild der Tube und dem Auftragen.






      Den Porenwischfüller aushärten lassen. Ca. 15min.



      Hier mal die Nahaufnahme des Porenwischfüllers, links noch ohne , rechts mit Auftrag.




      Jetzt mit Schleifpad "fein" leicht abschmiergeln. Eine Staubschicht entsteht.
      Danach mit Wasser abspülen und mit Silikonentferner säubern.



      Alternativ kann auf den Porenwischfüller verzichtet werden. Dazu einfach die Struktur abschleifen. Letzte Schleifgröße ist aber 800er nass oder mit 400er Exzenter Trockenschliff.





      Jetzt wird die KS-Grundierung mit 2 Bar Druck und einer ganz dünnen Schicht aufgetragen.
      Nicht übertreiben, schnell habt ihr da Läufer.
      Das ganze wird ca. 20min trocknen lassen, bei ca.20°C.




      Das es sich um Kunststoff handelt und man trotz Porenwischfüller noch Unebenheiten hat, wird nun KS-Füller/Härter aufgetragen.
      Die geschieht im Mischungsverhältnis von 1:1. Gut vermischen in einem Meßbecher und mit Hilfe eines Microfeinsiebs in den Becher füllen.
      Das Feinsieb verhindert Unreinheiten wie Staub und Dreck die in die Pistole gelangen könnten
      Der Druck liegt hier bei 2,5 – 3 bar.


      Hinweis: Mein verwendeter Hersteller hat mittlerweile das Mischungsverhältnis geändert auf 4:1.




      Erste Schicht leicht deckend lackieren:







      Dann ca. 10-15 min. ablüften lassen.
      Die zweite Schicht wird naß aufgetragen, aber nicht zu dick!




      Das ganze wird dann bei 20°C ca. 24h aushärten gelassen oder bei 60°C und 30min.
      Der KS-Füller härtet nicht ganz aus wie ihr es gewohnt seid, sondern etwas gummiartig.
      Er muß ja elastsich bleiben das sich Kunststoff bewegt.



      Nach dem Trocken wird dann mit 800 oder 1000er naß geschliffen bis die Oberfläche glatt und eine Ebene bildet.
      Sprich, es darf keine Struktur von Striemen usw. mehr vorhanden sein.
      Dann wieder mit Silikonentferner unbedingt säubern!!




      Dann wird der Basislack mit Hilfe eine Microfeinsiebs in den Lackierbecher gefüllt.
      Die erste Schicht wieder dünn auftragen sodaß man noch leicht den Füller erkennen kann.
      Druck ist hier wieder 2 bar.



      Hier von oben noch gut die dünne Schicht zu erkennen.




      Nach 5-10min Ablüftzeit folgt die 2.Schicht. Diemal etwas naß auftragen und deckend.




      Dann kann man, jenachdem wie man Zeit hat, das ganze 24 Stunden trocknen lassen oder ca. 20-30min bis der Basislack matt erscheint.
      Wenn man 24 Stunden trocknen lassen will , vor dem nächsten und letzten Lackiervorgang, dem Klarlack, mit Staubbindetuch leicht abwischen.
      Bsp.:


      Dabei aber keinen Druck auf das KS-Teil ausüben!! Nur leicht über die Oberfläche huschen!




      Jetzt kommt das Finale:
      Nach den 20-30min trocknen des Basislackes bis er matt erscheint, kommt der Klarlack.

      Die Zusammensetzung für KS-Stoffe:
      2:1:10%:20%

      Klarlack : Härter : 10% Verdünnung und 20% Elastifizierer/Weichmacher.

      Der Weichmacher spielt hierbei eine ganz wichtige Rolle. Er hält den Klarlack elastisch. Somit geht der Klarlack bei Ausdehnung im Sommer mit
      und reißt nicht!

      Unbedingt in einem Meßbecher dies 4 Materialien zusammenmischen und mit einem Holzstab gut umrühren.
      Dann wieder mit einem Microfeinsieb in den Farbbecher der Lackierpistole füllen.

      1.Schicht: 1,2- 1,4 bar.
      Dünn auftragen, sodass nur wie Perlen auf dem lackierten Teil zu sehen sind. Dies müssen ganz fein sein.


      Dann 5-10min ablüften lassen.
      2.Schicht dann naß auftragen mit 2 bar.
      Vorsicht, nicht übertreiben sonst bekommt man Läufer!!






      Nach austrocknen von mindestens 3 Tagen poliere ich die Teile noch auf. Wenn dich Staubpartikel eingschlichen haben, was bei nichtbenutzung einer Lackierkabine durchaus vorkommt wird die zu behandelte Stelle mit 2000, dann mit 2500er nass ausgeschliffen. Anschließend wird das ganze mit Polierpaste aufpoliert. Danach mit Hochglanzpolitur auf Glanz poliert.




      Fertig!!


      Von der seitlichen Aufnahme erkennt man schön die glatte Oberflächen. Keine Orangenhaut!!





      Achtung, bei der Mittelkonsole wird der Klarlack in 3 Gängen aufgetragen!
      1. Gang wie gehabt, 2.Gang etwas naß aber so, das Orangenhaut entsteht! Sprich eine leichte Kraterbildung. Dann 10 Minuten ablüften lassen, am besten noch mir Pistole etwas trocknen gleich.
      3.Gang dann naß, das die Oberfläche glatt wird!!
      Grund: wegen den Innenradien, da man dort leicht Läufer bekommt!






      Und nun viel Spaß beim Nachmachen!!

      Gruß Daniel

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Astra101 ()

    • Hallo Roger,

      kein Thema, hab ich gern gemacht. Mein Wissen ist im Laufe der letzten 4 Jahre seit ich das auch hobbymäßig mache stetig gestiegen. Da ich selbst damals nur googeln konnte und einen älteren Bekannten (mit dem ich aber fast kein Kontakt habe) habe der mir das praktisch bei mir im Garten damals zeigte an nem kleinen Teil. Da habe ich angefangen zu üben und es ist auch eigentlich recht einfach. Wichtig ist nur das man weiß wie alles aufeinander abgestimmt sein muß. Das ganze geschicht außschließlich im Sommer unterm Faltpavillion, ne Lackierkabine ist da natürlich viel zu teuer und auch nicht relevant für mich. Daher bleibt es auch nicht aus das mal kleine Fliegen oder Staubpartikel mitreingeraten. Aber die Behebung ist da auch recht einfach , wenn man weiß wie es geht. Dazu aber in einem andern SBS mehr.

      Gruß Daniel